Seit langem mal wieder Bahnen zählen

Hallenbad Münster

03.12.2013 – Heute war ich seit ewigen Zeiten endlich mal wieder schwimmen. Ich musste allen Ernstes im Trainingstagebuch nachsehen, wann ich das letzte Mal trainingsmäßig im Wasser gewesen bin und Bahnen absolviert habe. Mit den Kindern im Spaßbad planschen zählt da nämlich nicht. Nur klassisches Kacheln zählen mit oder ohne durch Leinen abgetrennte Bahnen kommt hier in die Wertung und da ist das letzte Training – ungelogen – über 3(!) Jahre her! Unglaublich.

Gut, wer auf einen Marathon trainiert, denkt eher weniger an Traningseinheiten im Schwimmbad. Der Regenerationsplan für die Zeit nach dem Marathon sah dann zwar immerhin ein paar relaxte Schwimmbadbesuche vor, allerdings ohne jeglichen trainingstechnischen Anspruch. Wie es nun der Zufall wollte, bekam ich zwischenzeitlich von einer ehemaligen Kollegin die Anfrage, wie es denn mit meinen derzeit brachliegenden Triathlon-Ambitionen aussähe und ob ich 2014 nicht Lust hätte, in Zeilhard wieder an den Start zu gehen…
Irgendwie hat sie da genau den richtigen Nerv getroffen und ich fing tatsächlich an, über eine Teilnahme nachzudenken und gedanklich schon die Trainingspläne umzustricken. Denn in Zeilhard bietet sich nicht nur die Auswahl zwischen der Sprint- und der Olympischen Distanz, sondern es gibt dort traditionell keine offizielle Zeitmessung und somit auch keine Wertung. Die ideale Veranstaltung also, um mal wieder einen Triathlon zu absolvieren. Ich glaube, die Entscheidung habe ich dann tatsächlich schneller gefällt, als ich es mir selbst zugeben wollte…

Auf ins Schwimmbad

Bedingt durch die Auftragssituation an meiner Arbeitsstelle, dem übervollen Schreibtisch an meinem Arbeitsplatz und die damit verbundenen abzuleistenden Überstunden komme ich derzeit leider immer erst weit nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause und muss auch am Wochenende nochmal ran. Damit habe ich zwar prinzipiell kein Problem, aber es wirkt sich extrem negativ auf die Motivation zum Laufen aus. Denn wenn man spät heimkommt, es gerade noch schafft die Kinder ins Bett zu bringen und dann noch nicht einmal etwas gegessen und/oder zumindest ein paar Minuten mit seiner Frau geredet hat, dann fällt es schon extrem schwer, ausgerechnet jetzt auch noch den Kampf mit dem inneren Schweinehund aufzunehmen und sich zum Laufen aufzuraffen. Umso gelegener kam mir da, dass man für einen Triathlon natürlich auch mal wieder die anderen Sportarten trainieren sollte. Wenn das Schwimmbad dann noch – wie in meinem Fall – direkt auf dem Heimweg liegt, dann ist die Trainingseinheit quasi Teil des Heimwegs und der Schweinehund hat zumindest für diesen Abend keine Chance.

Bahnen zählen im Hallenbad MünsterSo stand ich Dienstag Abend schließlich im Becken des Hallenbades in Münster (Hessen), 25m Wasser vor, 5m Wasser rechts und links neben und ca. 1,35m Wasser unter mir (wenn man mal von der Oberfläche ausgeht). Außerdem waren zur selben Zeit noch ein Schwimmverein (auf einer abgetrennten Bahn) und, verteilt auf die drei restlichen, nicht abgetrennten Bahnen, ungefähr 8-10 weitere Schwimmer im Becken. Auf den ersten Blick schienen die – zum Glück – wenigstens zu wissen, wie man mit mehreren Personen zusammen im Becken unterwegs sein kann, ohne sich gegenseitig zu behindern. Ach ja – etwas Treibgut schwamm (oder besser: trieb) natürlich auch noch im Becken herum. Aber das war deutlich in der Minderheit und schien sich auch mehr schwatzend am Beckenrand aufzuhalten, anstatt sich den Schwimmern in den Weg, bzw. die Bahnen zu werfen.

Bahnen zählen – los geht’s

Ohne mich im geringsten vorher mit Trainingsinhalten befasst zu haben, reihte ich mich also zwischen die anderen Schwimmer ein und musste recht schnell feststellen, dass es beim Schwimmen durchaus vorkommen kann, dass die Geschwindigkeit von außen betrachtet höher wirkt, als sie in Wirklichkeit ist. Obwohl ich dem Vordermann reichlich Vorsprung gegönnt habe, war ich schon lange vor der gegenüberliegenden Wand auf ihn aufgeschwommen. Erahrungsgemäß ist es bei diesen zusammengewürfelten Gruppen mit der Überholerei eher kritisch (man weiss ja nie, wer nach der Wende plötzlich doch die Bahn wechselt) und so reduzierte ich das Tempo und schwamm die ersten 400m in ziemlich gemäßigtem Tempo, nur dann überholend, wenn das verbleibende Becken frei von weiteren Schwimmern war. Wahrscheinlich geriet mir diese „Zwangsdrosselung“ aber letztendlich zum Vorteil, denn ich schätze, wäre ich alleine im Becken gewesen – ich hätte hoffnungslos überpowert.
Nach einer guten halben Stunde wurde es etwas leerer und man hatte des öfteren mal eine halbe bis ganze Bahn für sich. Sehr angenehm. Man war nicht mal mehr neidisch auf den im abgetrennten Bereich schwimmenden Verein, denn dort tummelten sich immerhin 10-15 Mann auf einer einzigen Bahn. Das wird dann irgendwann auch voll, selbst wenn alle dasselbe Tempo schwimmen. ;)
So zog ich meine Runden (oder besser: Bahnen), alle hundert Meter die Lage zwischen Brust und Kraul wechselnd, bei letzterer noch wechselnd zwischen Zweier-, Dreier- und Vierer-Armzug. Einfach mal testen, was noch so geht, das Wassergefühl wieder bekommen.

Insgesamt fühlte es sich recht gut an und zwischendurch stellte ich mir tatsächlich die Frage, warum ich so lange nicht mehr im Schwimmbad trainieren war… Schön war auch der Moment, als mich ein älterer Herr (der fleißig kraulend seine Bahnen zog) mit den Worten ansprach: „Bist Du der schnelle Schwimmer? Ich hab ja gedacht, ich steh‘ im Wasser, als Du vorbeigezogen bist!“
Es war mir zwar nicht bewusst, dass ich so schnell unterwegs gewesen sein soll und er war bestimmt 30 Jahre älter als ich, was seine eigene Geschwindigkeit beeinflussen und meine wahrgenommene Geschwindigkeit relativieren dürfte. Aber dennoch: ich habe mich über die Bemerkung gefreut, auch wenn ich im nachfolgenden kurzen Wortwechsel die eigene Leistung nicht als solche gesehen und sie daher – bescheiden, wie ich bin – heruntergespielt habe.

Irgendwann hat es mir dann dennoch gereicht. Das lag jetzt weniger an der nachlassenden Kraft in den Armen oder daran, dass ich keine weiteren Bahnen mehr zählen wollte, sondern es lag vor allem an den extrem brennenden Augen. Warum ich die Schwimmbrille zusammen mit den Klamotten im Spind eingeschlossen habe, weiß ich bis heute nicht und werde ich wohl auch nicht mehr herausfinden.
Ich schiebe es mal auf die drei Jahre Schwimmtrainingspause und dass ich da wohl vergessen haben muss, was man alles mit in die Halle nehmen sollte. Im Nachhinein sind mir dann noch mehr Dinge aufgefallen, die ich vermisst habe und vielleicht denke ich ja das nächste mal unter anderem daran, mir wieder die Polar ans Handgelenk zu binden. Dann muss ich die Trainingsaufzeichnung nicht per runtastic machen, das – eingeschlossen im Spind – außer der Dauer nicht viel messen kann. Bei der Polar kann man wenigstens noch alle 100m auf die Rundentaste drücken und hat hinterher etwas genauere Aussagen über die Trainingsdistanz. Ohne den Anspruch auf Genauigkeit kam ich bei dieser Einheit auf die folgenden Werte:

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Ganz ehrlich? Ich habe wieder Blut geleckt (nicht am Bahnen zählen, sondern am Schwimmen an sich) und ich werde versuchen, eine Einheit/Woche während der Wintersaison im Schwimmbad zu verbringen. Ich gelobe zudem Besserung, was die Auswertung anbetrifft und die Schwimmbrille ziehe ich in Zukunft auch auf. Versprochen!

 

Kategorie(n): Schwimmen, Sport, Training
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Eine Antwort auf Seit langem mal wieder Bahnen zählen

    • runningmaus sagt:

      oh, das ist ja fein, daß Du wieder unter die Wasserverdränger gegangen bist!
      und ich bin schuld *kicher*
      LG! runningmaus

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